Home | Übersicht | Kontakt | Impressum

Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Die Bienenfauna der Botanischen Gärten in Bonn

Allgemeine Information zu Bienen

In Deutschland kommen circa 550 verschiedene Bienenarten vor. Im Gegensatz zur allgemein bekannten Honigbiene leben die meisten Bienenarten nicht in einem Staat, sondern einzeln. Man nennt sie daher auch Solitärbienen. Solitärbienen leben meist nur 4-8 Wochen. Es gibt aber auch Arten, die in kleinen Gemeinschaften leben (kommunale Arten) und Arten, die kleine, einjährige Staaten bilden.

Im Gegensatz zur Honigbiene legen sie keine Vorräte an und stellen keinen Honig her. Die Mehrzahl der Arten (circa 70%) nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde. Andere Arten nisten in verlassenen Käferfraßgängen in totem Holz, in Mauerritzen oder hohlen Pflanzenstängeln. Diese Arten besiedeln auch gerne künstliche Nisthilfen in Form von angebohrten Hartholzklötzen oder leeren Bambusröhrchen.

Insektennistwand im Botanischen Garten am Katzenburgweg. (Foto: Inge Bischoff)

Solitärbienen sind häufig auf bestimmte Blütenpflanzen spezialisiert, d.h. sie sammeln für ihre Brut nur den Pollen von ganz bestimmten Pflanzengattungen oder –familien. Alle Bienen haben als Bestäuberinnen von Nutz- und Zierpflanzen eine sehr große Bedeutung im Naturhaushalt.

Bienen im Siedlungsbereich

Durch den fortschreitenden Verlust von natürlichen und naturnahen Flächen gewinnen von Menschen beeinflusste Biotope als Ersatz- oder Refugialräume zunehmend an Bedeutung. Stadtzentren zeichnen sich durch höhere Durchschnittstemperaturen als ihre Umgebung aus. Die günstigen Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse der Innenstädte fördern trocken- und wärmeliebende Insekten. In verschiedenen Arbeiten über Bienen in Siedlungsbereichen wurden in Deutschland bisher über 200 verschiedene Arten nachgewiesen. Botanische Gärten stellen dabei durch ihr vielfältiges, lang anhaltendes Blütenangebot einen besonders wertvollen Lebensraum für Bienen dar.

Die gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) beim Bau des Nestverschlusses aus Lehm an einer Nisthilfe. (Foto: Inge Bischoff)

Bienen der Botanischen Gärten Bonn

Die Bienenfauna des Botanischen Gartens am Poppelsdorfer Schloss wurde im Rahmen einer Diplomarbeit an der Universität Bonn im Jahr 1993 untersucht. Der Schwerpunkt der Arbeit lag neben der faunistischen Erfassung auf der Nutzung des Blütenangebotes durch die verschiedenen Bienenarten. In den Jahren 1994 bis 1996 wurden auch im Garten am Katzenburgweg einzelne Aufsammlungen vorgenommen.

Die Erfassung erfolgte durch Handkescherfänge; im Gelände ansprechbare Arten, wurden durch Beobachtung erfasst. Die Nutzung der verschiedenen Futterpflanzen wurde durch standardisierte Beobachtungen an den Blütenpflanzen untersucht. Für etwa die Hälfte der in den Botanischen Gärten vorkommenden Bienenarten wurde das Spektrum an besuchten Pflanzenarten und die zahlenmäßigen Anteile dieser Pflanzenarten an verschiedenen Pflanzenfamilien analysiert.

Insgesamt konnten 75 verschiedene Bienenarten in den Botanischen Gärten Bonn nachgewiesen werden. Gut 20 % der festgestellten Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Stechimmen Nordrhein-Westfalens.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Artenzahl noch höher liegt, da bei einjährigen Untersuchungen selbst mit verschiedenen Erfassungsmethoden nur etwa 50-80 % der insgesamt vorkommenden Arten ermittelt werden. Außerdem hat die Anlage des Trockenbereichs mit dem Felskomplex und der entsprechenden heimischen Flora der Biotopanlage wahrscheinlich einen längerfristigen Einfluss auf die Bienenfauna. Im Jahr 2009 konnte beispielsweise eine Langhornbienenart (Eucera) dort nachgewiesen werden, welche auf Zaunwicken spezialisiert ist. Die Zaunwicke (Vicia sepium) wächst in größeren Beständen nur in der Biotopanlage. In den Jahren 1993-1996 konnte die Langhornbiene nicht nachgewiesen werden.

Diese Pelzbiene (Anthophora acercorum) kommt überall im Siedlungsbereich vor und kann auch in den Botanischen Gärten im Frühjahr gut beobachtet werden. Das Weibchen besucht hier eine Blüte des kriechenden Günsels (Ajuga reptans). (Foto: Inge Bischoff)

Nutzung der verschiedenen Blütenpflanzen

20 % der in den Botanischen Gärten nachgewiesenen Arten sind auf bestimmte Trachtpflanzen spezialisiert. Bei einer hohen Blütendiversität, wie sie ein Botanischer Garten bietet, scheint diese Ressource weniger der begrenzende Faktor für spezialisierte Bienenarten zu sein. Das Fehlen mancher Spezialistinnen, die in anderen Gebieten von Bonn vorkommen und deren Futterpflanzen in ausreichendem Maß in den Botanischen Gärten vorhanden sind, ist möglicherweise durch die relative Isolierung der Flächen bedingt.

Ein Männchen der Langhornbiene Eucera nigrescens beim Besuch eine Blüte der Zaunwicke (Vicia sepium). (Foto: Stefan Schröder)

Andererseits ermöglicht ein reiches Angebot von verschiedenen Glockenblumen das Vorkommen von vier verschiedenen Glockenblumenspezialistinnen. Eine dieser Arten (Chelostoma distinctum) gilt in Nordrhein-Westfalen als vom Aussterben bedroht. Bemerkenswert ist auch das Vorkommen der Maskenbiene Hylaeus punctulatissimus, die ihren Pollen ausschließlich an den zahlreichen Laucharten (Allium spp.) sammelt. Außerhalb Botanischer Gärten sind Laucharten nur noch selten zu finden, weshalb diese Art auch bundesweit auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Tiere steht.

Insgesamt besuchten die ausgewählten Bienenarten 58 verschiedene Pflanzenfamilien. Für jede Bienenart wurden die Pflanzenfamilien ermittelt, von denen am meisten Pflanzenarten besucht wurden. Dieses ergab eine Summe von 22 Pflanzenfamilien. Sieben Pflanzenfamilien werden von 20-40 % der Bienenarten am häufigsten besucht. Dabei handelte es sich um folgende Pflanzenfamilien (in der Reihenfolge ihrer Frequentierung):

  • Lamiaceae (Lippenblütler)
  • Fabaceae (Schmetterlingsblütler)
  • Asteraceae (Korbblütler)
  • Boraginiaceae (Rauhblattgewächse)
  • Campanulaceae (Glockenblumengewächse)
  • Brassicaceae (Kreuzblütler)
  • Rosaceae (Rosengewächse)

Insbesondere die Schmetterlings- und Lippenblütler wurden von Vertretern aller Bienenfamilien besucht. Je nach Bienengattung stellten sich dann noch weitere Vorlieben heraus, z.B. besuchten Sandbienen (Andrena spp.) am häufigsten Rosengewächse und Doldenblütler, Pelzbienen (Anthophora spp.) Hummeln (Bombus spp.) und Honigbiene (Apis mellifera) eher Rauhblattgewächse. Pflanzenarten mit gefüllten Blüten sind für Bienen höchstens als Nektarquelle nutzbar; da bei ihnen Staubblätter durch Blütenblätter ersetzt sind, liefern sie keinen Pollen.

Eine auf Glockenblumen spezialisierte Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) sammelt Pollen. Diese Art nistet auch in den angebotenen Nisthilfen in den Botanischen Gärten. (Foto: Stefan Schröder)

Nistplätze in den Botanischen Gärten Bonn

Nesteingang einer Sandbiene (Andrena flavipes) zwischen den Natursteinplatten vor dem Poppelsdorfer Schloß. (Foto: Inge Bischoff)

Die in oberirdischen Hohlräumen nistenden Bienenarten, wie z.B. Mauerbienen (Osmia spp.), Blattschneiderbienen (Megachile spp.), Löcherbienen (Heriades spp.), und Scherenbienen (Chelostoma spp.) finden in den Botanischen Gärten relative gute Nistplatzbedingungen vor. Insbesondere die Insektenwand im Nutzpflanzengarten am Katzenburgweg wird sehr gut angenommen. Im Frühjahr kann man dort Hunderte von Mauerbienen bei der Nestversorgung beobachten.

Weitere gute Nistplatzmöglichkeiten bieten die Natursteinmauern im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss. Dort nisten zahlreiche kleine Bienenarten. Ebenso werden sandige Ritzen in Natursteinplattenwegen gerne besiedelt. Ein zu häufiges Hacken, Einsatz von Spritzmittel oder Abflämmen würde hier schaden.

Für die im Erdboden nistenden Arten bietet sicher auch der in der Biotopanlage angelegte Sandrasen gute Bedingungen.

Literatur:

Bischoff, I. 1996. Die Bedeutung städtischer Grünflächen für Wildbienen (Hymenoptera, Apidae) untersucht am Beispiel des Botanischen Gartens und weiteren Grünflächen im Bonner Stadtgebiet. Decheniana 149: 162-178.

Text: Dr. Inge Bischoff, Zoologisches Forschungsmuseum Koenig