Home | Übersicht | Kontakt | Impressum

Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Die Käferfauna der Botanischen Gärten in Bonn

Die Käferfauna des Botanischen Gartens am Poppelsdorfer Schloss der Universität Bonn wurde bisher zweimal intensiv untersucht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie viele Käferarten in einem verinselten Lebensraum inmitten einer Stadt auf 6,5 Hektar Fläche existieren können. Dementsprechend wurde eine breite Palette an Erfassungsmethoden angewandt, wozu neben Handfangmethoden wie Klopf-, Streifkescher- und Gesiebeproben auch intensive Fallenfänge (Boden-, Flug-, Kot- und Aasfallen) sowie der Autokescher gehörten.

Die erste Untersuchung fand zwischen April 1991 und August 1993 statt. Dabei konnten 8.400 Käfer erfasst werden, die zu 603 Arten gehören. Die zweite Erfassung wurde mit nahezu identischen Erfassungsmethoden zwischen April 2004 und Februar 2005 im Rahmen der Diplomarbeit von Torben Kölkebeck durchgeführt. Dabei wurden weitere 12.406 Käfer in 667 Arten gefunden.

(c) M. Neumann

Der Nashornkäfer ist in Deutschland selten. In den Botanischen Gärten Bonn finden wir immer wieder Larven und ausgewachsene Tiere, die in Mulch leben. Hier hat diese Art offensichtlich eine ökologische Nische gefunden. Foto: M. Neumann

Nur etwa ein Drittel der Arten konnten in beiden Aufsammlungen gefunden werden, womit zwischen 1991 und 2005 insgesamt 931 Käferarten im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss erfasst werden konnten. Das ist eine außergewöhnliche hohe Diversität, die bisher in keinem vergleichbaren Areal gefunden wurde und belegt auch den Habitatreichtum des Botanischen Gartens.

„Die Käferfauna (Coleoptera) des Botanischen Gartens in Bonn im langjährigen Vergleich“ von Torben Kölkebeck und Thomas Wagner herunterladen (pdf, 1.8 MB)

„Der erste deutsche Freilandfund des Australischen Marienkäfers Cryptolaemus montrouzieri von Torben Kölkebeck und Horst Bathon herunterladen (pdf, 45 kB).

Mit 321 Arten sind die Humus und Faulstoffe bewohnenden Kurzflügler die mit Abstand artenreichste Gruppe. Im Vergleich zu den aus dem nördlichen Rheinland bekannten Käferarten sind die Marienkäfer und die schimmelpilzfressenden Zwerg-, Moder- und Schimmelkäfer überrepräsentiert, für die im Garten eine sehr gute Nahrungsgrundlage gegeben sein dürfte. Dagegen fehlen viele sonst häufige Arten der Rüssel-, Pracht- und Bockkäfer denen vermutlich die larvalen Entwicklungsmöglichkeiten in tiefgründigen Humusschichten bzw. im Totholz fehlen dürften. Auch die Laufkäfer, vor allem deren großwüchsige, flugunfähige Arten sind unterrepräsentiert. Die Populationen sind vermutlich erloschen und das von stark befahrenen Straßen umgrenzte Areal kann nicht wiederbesiedelt werden.

Sandlaufkäfer (c) Peter Pretscher

Sandlaufkäfer (Cicidela hybrida) haben in der Biotaopanlage einen geeigneten Lebensraum gefunden. Die Tiere waren vorher im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss unbekannt und haben in der Sanddüne ein geeignetes Biotop gefunden. Foto: Peter Pretscher

Die Käferfauna des Gartens wird von kleinwüchsigen Arten dominiert. Es fanden sich 2004 mehr seltene Arten, darunter auffällig viele südeuropäisch verbreitete, thermophile Arten, die vermutlich im Zuge des Klimawandels erst unlängst eingewandert sind. Ein Beispiel ist der Malven-Langrüssler (Rhopalapion longirostre), dessen Erstfund für das Rheinland 1993 in Bonn-Beuel gelang. Die ursprünglich mittelasiatisch-mediterrane Art ist mittlerweile im gesamten Bonner Stadtgebiet und darüber hinaus häufig zu finden und hat sich binnen einer Dekade fest eingebürgert. So gibt es wohl keine in Bonn wachsende Stockrose ohne diesen auffälligen, weil extrem langrüssligen Käfer.

Literatur

KÖLKEBECK, T., BATHON, H. Der erste deutsche Freilandfund des Australischen Marienkäfers Cryptolaemus montrouzieri (Coleoptera, Coccinellidae). In: Mitt. Arb.gem. Rhein. Koleopterologen (Bonn) 15 (1–2), 2005, 23–24.

WAGNER, Th. 1997. Die Käferfauna (Coleoptera) des Botanischen Gartens in Bonn. In: KÖHLER, F. (Hrsg.) Festschrift zum 70-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft Rheinischer Koleopterologen, Decheniana Beihefte 36: 225–254, Bonn.

Text: Dr. Thomas Wagner, Universität Koblenz