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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Die Libellenfauna der Botanischen Gärten in Bonn

Die Botanischen Gärten der Universität Bonn bieten neben vielfältigen Lebensräumen für Pflanzen auch einer Vielzahl von Tieren ein Zuhause. Neben Bienen, Käfern und Schildkröten sind es auch Libellen, die sich in und an den Gewässern am Schlossgarten heimisch fühlen.

Aeshna cyanea (Männchen) - Blaugrüne Mosaikjungfer
(c) T. Böhnert

Wie leben Libellen?

Libellen gehören zu den Insekten und besitzen wie viele Gruppen in diesem Verwandtschaftskreis zwei Lebensabschnitte. Nach der Eiablage in oder an einem Gewässer entwickelt sich die Larve unter Wasser, wo sie sich im Laufe ihrer Entwicklung mehrfach häutet. Das Larvenstadium kann bis zu drei Jahren dauern. Ist die Zeit gekommen, krabbelt die Larve aus dem Wasser und die geschlechtsreife Libelle schlüpft. Nachdem ihre Flügel aufgepumpt und ausgehärtet sind, beginnt der zweite Lebensabschnitt der Libelle, in dem sie sich paaren und fortpflanzen wird.

In Deutschland kommen ca. 80 Arten vor, die sich in Kleinlibellen (Zygoptera) und Großlibellen (Anisoptera) aufteilen. 30 davon zählen zu den gefährdeten Arten und werden auf der deutschlandweiten Roten Liste geführt (Ott et al. 2015). Gegenüber der letzten Fassung der Roten Liste von 1998 konnten sich viele Arten durch Naturschutzmaßnahmen deutlich erholen. Jedoch bleibt weiterhin die Zerstörung und Fragmentierung von Biotopen die Hauptursache für ihre Gefährdung. Auch der Klimawandel wird bei den in Deutschland vorkommenden Arten immer stärker deutlich, wohingegen viele mediterrane Arten ihr Verbreitungsgebiet nach Norden ausdehnen konnten.

Ischnura elegans (Männchen) - Große Pechlibelle
(c) T. Böhnert

Welche Arten leben heute im Schlossgarten?

Im Zeitraum 2014-2016 konnten im Schlossgarten immerhin 22 verschiedene Libellenarten nachgewiesen werden. Darunter sind 10 Kleinlibellenarten, wie z.B. das Kleine Granatauge und die Gemeine Winterlibelle. 12 Großlibellenarten wurden gezählt, darunter die Blaugrüne Mosaikjungfer und der Vierfleck. Etliche dieser Arten wurden auch beim Paarungsflug oder bei der Eiablage beobachtet. Genauere Angaben und eine komplette Artenliste finden Sie hier.

Historische Vorkommen

Einen ersten Beitrag zur Libellenfauna in den Botanischen Gärten Bonn veröffentlichte Schmidt (1990). In dieser Arbeit berichtet der Autor von 22 Arten, die am Poppelsdorfer Weiher im Jahre 1950 nachgewiesen wurden. Außerdem beobachtete er in den Jahren 1980-89 insgesamt 20 Arten am Lyrabecken des Schlossgartens. Der Vergleich dieser Funde ergibt, das zwischen 1950 und 1989 neun Arten mit einzelnen Individuen im Schlossgarten nachgewiesen wurden, die heute nicht mehr zu sehen sind:

  • Erythromma lindenii  - Saphirauge
  • Ceriagrion tenellum  - Zarte Rubinjungfer
  • Lestes sponsa  - Gemeine Binsenjungfer
  • Lestes virens  - Kleine Binsenjungfer
  • Lestes dryas  - Glänzende Binsenjungfer
  • Gomphus pulchellus  - Westliche Keiljungfer
  • Sympetrum danae  - Schwarze Heidelibelle
  • Sympetrum pedemonatum  - Gebänderte Heidelibelle
  • Sympetrum flaveolum  - Gefleckte Heidelibelle

Wir danken dem Forschungsmuseum Koenig für die Genehmigung, die Arbeit „Schmidt, E. (1990): Libellenbeobachtungen in der Stadt: Der Botanische Garten in Bonn. Tier & Museum 2(2): 42 – 52,“ als PDF auf diese Seite zu stellen.

Weiterführende Literatur:

Menke, N., Göcking, C., Grönhagen, N., Joest, R., Lohr, M., Olthoff, M. & Conze, K.-J. (2016): Die Libellen Nordrhein-Westfalens. LWL-Museum für Naturkunde, Münster.

Ott, J., Conze, K.-J., Lohr, M., Mauersberger, R., Roland, H.-J. & Suling, F. (2015): Rote Liste der Libellen Deutschlands. Libellula, Supplement 14, Atlas der Libellen Deutschlands.

Text: Tim Böhnert & Jonathan Hense