Veranstaltungen

Sir Dietrich L. Ch. G. Brandis

vom Kustos der Botanischen Gärten Bonns zum Generalforstinspektor aller Indischen Wälder

Dietrich BrandisAm 31.03.1824 wurde Dietrich Brandis als zweiter von sieben Söhnen des Bonner Professors der Philosophie Christian August Brandis in Bonn geboren. Schon früh galt das Interesse des vielseitig interessierten und aufgeweckten Jungen der Botanik. Während eines dreijährigen Aufenthaltes in Griechenland führte ihn Karl N. Fraas (1810-1875) in Athen in die Grundlagen der Botanik ein, auf botanischen Exkursionen mit seinem Großonkel Heinrich Friedrich Link (1767-1850), Direktor des Botanischen Gartens in Berlin, konnte er sein Wissen vertiefen.

Nach Bonn zurückgekehrt bestand er am 2.9.1845 die Reifeprüfung, studierte Naturwissenschaften und Botanik in Bonn, Kopenhagen und Göttingen, promovierte in Göttingen und habilitierte sich in Bonn 1849 mit einer Arbeit über „Den Versuch einer Charakterisierung des reifen Pflanzensamens und seiner Teile in chemischer Beziehung“. Als Privatdozent für Botanik und Pflanzenchemie lehrte Brandis bis 1855 an der Bonner Universität und war als Kustos in den heutigen Botanischen Gärten verantwortlich für Exkursionen und Demonstrationen.

Sein Wunsch, in Indien Pflanzenstudien zu betreiben, erfüllte sich Anfang 1856 - allerdings dann doch in einem gänzlich anderen Bereich: im Forst. Als Leitender Beamter in britischen Diensten erhielt er den Auftrag, die nahezu abgeholzten Wälder in Burma, danach auch in Tenasserim und Martaban, wieder aufzuforsten und einer späteren sinnvollen Nutzung zuzuführen. In sechs Jahren erledigte Brandis diese Aufgaben so bravourös, dass er 1862 als Berater an die Indische Zentralregierung in Kalkutta berufen und am 1. April 1864 zum ersten Generalforstinspektor der gesamten indischen Staatsforste ernannt wurde. 1875 legte er der Regierung den Entwurf eines neuen Forstgesetzes vor, das 1878 erlassen wurde. In Dehra Dun errichtete Brandis am 1. Juni 1879 die erste zentrale indische Forstschule. Den wachsenden Bedürfnissen angepasst, wurde 1928 der imposante Neubau des Forest Research Institutes eingeweiht.

Pensioniert kehrte Brandis 1888 nach Bonn zurück. Bis zu seinem Tod am 28. Mai 1907 lebte er abwechselnd in Bonn und Kew Gardens/London. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen gilt sein Hauptwerk „The Indian Trees“; bis heute ein Standardwerk. Am 16. Februar 1887 wurde er aufgrund seiner Verdienste von der englischen Königin in den Adelsstand erhoben.

Dendrocallamus brandisiiSeine zweite Ehefrau, Katharina, ebenfalls in Bonn geboren, Tochter des Professors der evangelischen Theologie Rudolf Hasse, begleitete Dietrich Brandis fast 20 Jahre lang in Indien. Sie aquarellierte nahezu pflanzengetreu viele Blumen und Bäume Indiens und schuf sehr eindrucksvolle Landschaftsimpressionen. Das Ehepaar hatte sieben Kinder.

Am 31. Mai 1907 wurde Sir Dietrich Brandis auf dem Alten Friedhof in Bonn beigesetzt. Dort fand auch Lady Katharina 1928 ihre letzte Ruhestätte.

nach oben