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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Biotope

Konzeption der Biotopanlage

In der Biotopanlage als "Pflanzensoziologische Abteilung" werden diejenigen Vegetationsformen vorgestellt, die als naturnah bis halbnatürlich bezeichnet werden können. Diese Biotope sind fast ausnahmslos nach § 20c Bundesnaturschutzgesetz pauschal geschützt bzw. in Nordrhein-Westfalen gefährdet oder stark gefährdet (SCHULTE & WOLFF-STRAUB 1986). Dies spiegelt sich nicht zuletzt im hohen Anteil gefährdeter oder gar bereits ausgestorbener Arten wider.

Bei den Überlegungen zur Konzeption der Anlage kamen die Beteiligten überein, in Bonn eine Abteilung zu schaffen, in welcher der Regionalitätsbezug im Vordergrund steht. So kann der umliegende Naturraum mit seinen spezifischen Eigenarten abgebildet werden. Mit dieser ausschließlichen Bezugnahme auf das regionale Vegetationsinventar soll aber auch die größtmögliche emotionale Bezugnahme seitens des Besuchers erreicht werden - Leitgedanke ist hierbei die Vorstellung, Biotope zu zeigen, die der Betrachter aus seiner Freizeit- oder Kindheitserfahrung heraus kennt. So wird der Besucher der Biotopanlage vergeblich ein "Alpinum" suchen. Stattdessen wird er einen Felskomplex mit wichtigen Arten des Ahr- Mosel- und Rheintales sowie Felsstandorten des Siebengebirges finden. Diese Konzeption einer solchen Anlage steht laut einer durchgeführten Umfrage im Gegensatz zu einer Vielzahl pflanzensoziologisch ausgerichteter Lehrabteilungen in anderen Botanischen Gärten und ist insofern in Deutschland einzigartig.

In den übrigen Botanischen Gärten werden entweder nur die für die jeweilige Umgebung besonders wichtigen Lebensräume gezeigt (z.B. Botanischer Garten Mainz: Sanddüne, Botanischer Garten Würzburg: Trockenrasen) oder sie gehen mit ihrer Bezugnahme weit über die Region hinaus, wie z.B. in den Botanischen Gärten Berlin-Dahlem, München und Frankfurt.

Für die Nachbildung der verschiedenen Lebensräume werden zunächst auf gartenbautechnischem Wege Standorteigenschaften geschaffen, die denjenigen des natürlichen Standortes möglichst weitgehend entsprechen. Diese künstlich geschaffenen Standorte werden anschließend sozusagen mit einer "Initialbepflanzung" versehen, die sich über einen gewissen Zeitraum selbst entwickeln kann. Bei Bedarf wird ergänzend hinzugepflanzt oder anderweitig regulierend eingegriffen. Bei den vorgenommenen Pflanzungen wird ausschließlich Material vom natürlichen Standort verwendet: dies bedeutet einen erheblichen organisatorischen Aufwand beim Einholen der erforderlichen Sammelgenehmigungen bei den zuständigen Behörden.

Die Verschiedenartigkeit und Vielfalt der heimischen Vegetation kann besonders anhand unterschiedlicher Standortfaktoren demonstriert werden. Es wurden dazu gegensätzliche Wuchsbedingungen geschaffen, wie z.B. feucht - trocken, kühlschattig - sonnenexponiert, nährstoffarm - nährstoffreich etc. Durch diese Gegenüberstellung prägnanter Standortunterschiede kann die neue Abteilung ihrer wesentlichen Zweckbestimmung als Lehreinrichtung besonders gut entsprechen.

Auf diesen unterschiedlichen Standorten sollen nicht nur charakteristische Pflanzengemeinschaften gezeigt werden, sondern auch eine Reihe standorttypischer floristischer Besonderheiten, so z.B. ausgesprochene botanische Raritäten, Regionalendemiten, besonders gefährdete Arten oder solche mit anderen in einer solchen Anlage hervorzuhebenden Eigenarten.

Die vorgestellten Pflanzengemeinschaften können keine exakten Nachbildung tatsächlich existierender Pflanzengesellschaften darstellen. Es wurde bei der Zusammenstellung der Pflanzlisten von vorneherein darauf abgezielt, für die Kultur im Botanischen Garten Bestandsstrukturen zu schaffen, die lediglich stark abstrahierten Gesellschaftstypen entsprechen. Diese typisierten Pflanzengemeinschaften sind außerhalb des Botanischen Gartens in dieser Form nicht anzutreffen. Der Versuch, reale Pflanzengesellschaften exakt nachzubilden, wäre aus gärtnerischer Sicht auch zum Scheitern verurteilt: es käme wahrscheinlich bereits nach kurzer Zeit zu erheblichen Artverschiebungen. Dies hat verschiedene Gründe, die wichtigsten dürften darin liegen, dass die Standorteigenschaften in ihrer gesamten Komplexität nicht nachgebildet werden können, sich Arten aus anderen Bereichen des Botanischen Gartens unvermeidbar in der Biotopanlage ansiedeln und sich stark von "natürlichen" Gegebenheiten abweichende Konkurrenzbeziehungen einstellen würden (vgl. STARKE 1993).


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