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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

„Bäumchen, wechsle dich“ im Botanischen Garten

Motorsägen, Fräsen und Bagger prägen derzeit das Bild der Botanischen Gärten der Universität Bonn am Schloss Clemensruh – und manch ein Besucher wundert sich wahrscheinlich, weshalb nun auf der zur Reuterstraße gelegenen Gartenseite großflächig gerodet und geräumt wird. Die Antwort ist ganz einfach: Als den Botanischen Gärten die Finanzierung der Melbweihersanierung zugesagt wurde, war eine Auflage der Universität, dass diese Sanierung durch begleitende Maßnahmen möglichst dauerhaft zu gestalten sei.

Die Botanischen Gärten stehen also in der Pflicht, begleitende Maßnahmen zu ergreifen, die die Verunkrautung und Verschlammung des Weihers reduzieren. Bei der eigentlichen Melbweihersanierung war aber der gesamte Weiherzulauf Richtung Reuterstraße weitgehend unangetastet geblieben, so dass sich hier große Horste wuchernder Seggen, ausläufertreibender Gehölze und Bambus und zum Teil bereits absterbende Bäume befanden, die den Zulauf verschmutzen und mit Samen belasten sowie z.T. auch eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellten. Umgekehrt war in diesem Bereich auch in den vergangenen 80 Jahren keinerlei systematische Planung erfolgt, so dass sammlungstechnisch und didaktisch eine inhaltliche Aufarbeitung überfällig war. Um hier den logischen Abschluss für die Weihersanierung zu finden und deren dauerhafte Wirksamkeit sicher zu stellen, wird bis zum Frühjahr der gesamte Bereich des Weiherzulaufs aufgearbeitet. Der Masterplan der Gärten sieht hier eine pflanzengeographische Anlage „Amerikanische Wälder“ vor. Für diese Neuanlage wurden bereits 2011 zahlreiche Gehölze und Stauden aus den USA beschafft und in der Baumschule großgezogen. Jetzt sind diese Pflanzen groß genug, um ins Freiland gepflanzt zu werden.

Zunächst fand die Rodung der zum Teil zu dicht gepflanzten, zum Teil kranken und zum Teil einfach überflüssigen Gehölze statt. Jetzt werden hier umfassende Erarbeiten durchgeführt, um das Ufer des Weiherzulaufs zu reinigen und die begleitende Vegetation zu entfernen. Im Anschluss werden mehrere Großgehölze aus anderen Bereichen des Gartens (wo sie keinen Platz mehr haben) durch eine Spezialfirma gehoben und an ihren neuen Standort gebracht. Ab März werden dann die kleineren Gehölze und Stauden eingebracht, so dass wir bereits im Frühsommer eine weitgehend neu angelegte Fläche haben werden – mit einer Vielzahl sonst nirgends in Deutschland zu bewundernder Pflanzen aus den amerikanischen Wäldern.

Besonders problematisch ist in diesem Gartenbereich die Sichtbarkeit und Lärmbelastung durch die Reuterstraße. Wir werden zunächst versuchen, hier die Bepflanzung mit immergrünen Gehölzen deutlich dichter zu gestalten als bisher – deshalb wurden auch viele laubwerfende Gehölze vom Randstreifen entfernt. Die Lärmbelastung durch die Reuterstraße lässt sich allerdings durch eine – egal wie dichte - Bepflanzung nicht wirklich drosseln. Wir hoffen in den kommenden Jahren die Unterstützung und die finanziellen Mittel für eine technische Lösung des Lärmproblems einzuwerben. Dabei betrachten wir die optische und inhaltliche Aufwertung des Bereiches für die notwendige Bedingung, um mögliche Geldgeber von der Notwendigkeit einer solchen Lärmschutzmauer zu überzeugen.

Viele Gartenbesucher haben uns schon mit Begeisterung zu den umfassenden Umgestaltungen der vergangenen zwei Jahre gratuliert, einige wenige Besucher sind über die fortgesetzten Rodungen allerdings besorgt und fürchten schon, wir werden allmählich alle schönen alten Bäume entfernen. Das Gegenteil ist allerdings der Fall: durch gezielte Rodungen und Neuanlagen haben wir unsere schönsten Bäume in den letzten beiden Jahren freigestellt, so dass sie sich weiterhin voll entwickeln und ein hohes Alter erreichen können. Ein gutes Beispiel dafür ist unser persischer Eisenholzbaum, der eingeengt von Schwarzerlen, Birken und wild aufgegangenem Spitzahorn sein Dasein fristete, jetzt aber ringsum Platz und Luft hat und sich frei entfalten kann. Bei unseren Neupflanzungen wird akribisch darauf geachtet, dass groß werdende Bäume von Anfang Platz haben, sich voll zu entfalten.