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Das Sukkulentenhaus

Artenschutz bei Kakteen

Wir alle sind mehr oder weniger stark abhängig von den Pflanzen die uns umgeben. Je mehr wir unserer natürlichen Umwelt entfremdet werden, desto größer wird die Gruppe derjenigen unter uns, die sich in ihrer Freizeit mit Pflanzen und Tieren befassen. So werden Pflanzen auf dem Fensterbrett, in kleinen und größeren Gewächshäusern oder im eigenen Garten kultiviert.

In den letzten Jahren geraten zunehmend Schreckensmeldungen über ausgeplünderte Naturstandorte, unter anderem auch von Kakteen, an die Öffentlichkeit. Durch die Entnahme von Wildpflanzen seitens berufsmäßiger Pflanzenimporteure, aber leider auch Sammler sind viele Arten in ihrer Heimat vom Aussterben bedroht.

Um dieser kommerziellen Ausrottung entgegenzutreten, wurde der Handel mit aus der Natur stammenden Pflanzen scharfen Beschränkungen unterworfen. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) wird der Handel geregelt. In den Anhängen dieses Abkommens sind diejenigen Pflanzen und Tiere aufgelistet, für die Handelsbeschränkungen existieren.

Die Pflanzenfamilie der Kakteen ist mit allen ihren Arten in den Anhängen des WA aufgelistet. Die meisten können mit behördlichen WA-Dokumenten gehandelt werden (diejenigen des Anhang II), andere, die unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, dürfen überhaupt nicht mehr gehandelt werden (Anhang I), dies gilt auch für ihre Samen.

Darüber hinaus haben beinahe alle Länder Gesetze zum Schutze ihrer Natur erlassen, die es grundsätzlich verbieten, Pflanzen und Tiere ohne behördliche Ausnahmegenehmigung zu sammeln. Dazu zählen etwa Brasilien und Mexiko, auf deren Staatsgebiet eine große Vielfalt von Kakteen vorkommt.

Die Problematik soll am Beispiel des Kaktus Echinocactus grusonii exemplarisch aufgezeigt werden. Diese durch ihre goldgelben großen Dornen äußerst attraktive Pflanze wurde am Ende des vorigen Jahrhunderts im zentralen Hochland von Mexiko entdeckt und seitdem am natürlichen Standort gesammelt und nach Europa und in die USA exportiert. Große Schaupflanzen durften und dürfen auf keiner Kakteen-Ausstellung fehlen. Dies wurde so lange durchgeführt, bis die Art an ihren Standorten soweit dezimiert bzw. ausgerottet war, dass sich ein Sammeln nicht mehr lohnte. Erst jetzt, das heißt vor etwa 20 Jahren, begann man sich intensiv mit der Kultur von Echinocactus grusonii zu beschäftigen. Die Anzucht und die Kultur dieser Pflanze ist so problemlos, dass sie heute in großen Kakteen-Gärtnereien zu Tausenden herangezogen und verkauft werden. Am natürlichen Standort ist diese Art heute durch den Raubbau extrem bedroht. Warum hat man mit der Kultur dieser herrlichen Pflanze so lange gewartet?

Wenn Sie sich für Kakteen interessieren und sich eine Sammlung zulegen wollen, dann müssen Sie beim Kauf darauf achten, nur solche Arten zu erstehen, die zweifelsfrei in Kakteengärtnereien herangezogen wurden. Dies gilt besonders für große, alte Pflanzen, die Ihnen verhältnismäßig billig angeboten werden. Fragen Sie, ob solche Pflanzen wirklich kultiviert wurden. Beginnen Sie Ihr Hobby mit leicht zu pflegenden Arten (zum Beispiel Mamillarien).


Der Inhalt eines Koffers, der auf dem Frankfurter Flughafen vom Zoll beschlagnahmt wurde: Sie sehen hier unter anderen Ariocarpus-Arten und Obregonia denegrii, die im Anhang I des Washingtoner Handelsübereinkommens stehen und vom Aussterben bedroht sind. Durch den Schmuggel mit geschützten Arten wird die ganze Kakteen-Liebhaberei in Verruf gebracht! (Foto: W. Barthlott)