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Das Sukkulentenhaus

„Lebende Steine" und andere hochspezialisierte Sukkulenten

Lithops fenestraria
Fenestraria Zeichnung nach Marloth

Interessant sind die „Lebenden Steine“ und die anderen hier gezeigten Arten wegen ihrer Anpassung an ihren Lebensraum. Die verschiedenen Arten leben im südlichen Afrika (Namibia und Republik Südafrika), in Gebieten, die sich teilweise durch eine extreme Niederschlagsarmut auszeichnen.

Alle Arten leben sozusagen unterirdisch, die Pflanzen sind bis auf ihre Oberseite in den Boden gewandert. Diese sichtbare Oberseite ist bei den Lebenden Steinen (Lithops-Arten) farblich und in der Form so der Umgebung angepasst, dass die Pflanzen kaum von den sie umgebenden Steinen zu unterscheiden sind.

Dass dabei eine Art je nach dem Untergrund anders aussehen kann, können Sie am Beispiel des Lithops karasmontana beobachten.

Schema des Aufbaus von Fenestraria. Zeichnung W. Rauh

Wie können diese Pflanzen aber assimilieren? Der Pflanzenkörper besteht bei den Lithops-Arten aus einem einzigen, bei den Arten der hier gezeigten anderen Gattungen (zum Beispiel Fenestraria, Frithia und Haworthia) aus wenigen Blattpaaren. Die chlorophyllhaltigen Zellschichten liegen im Inneren des Pflanzenkörpers auf den äußeren Seiten. Bei den Lithops-Arten befindet sich zwischen den beiden Blättern ein Spalt, bei einigen hier gezeigten Arten der Gattung Haworthia und bei den Fenestraria- und Frithia-Arten ist die gesamte Oberfläche fensterartig - man spricht auch von Fensterpflanzen – und lichtdurchlässig. Durch den Spalt bzw. diese Fenster wird das Tageslicht auf die chlorophyllhaltigen Zellschichten gelenkt und die Pflanzen sind auch im Boden versteckt in der Lage zu assimilieren!

Rechts: Schema des Aufbaus von Lithops. Links: Schema des Aufbaus von Haworthia, die Pfeile zeigen den Gang der Sonnenstrahlen, wie sie auf die chlorophyllhaltigen Schichten gelenkt werden. Zeichnung: W. Rauh

Wahrscheinlich ist diese Lebensweise als Schutz vor Fressfeinden entstanden, die Pflanzen sind in den Boden ausgewichen, haben die noch sichtbaren Teile der Umgebung angepasst und ihre Morphologie hat sich entsprechend verändert. Die „Lebenden Steine“ sind ein gutes Beispiel für Organismen, die sich, um zu überleben, an die extremen Umweltbedingungen ihres Lebensraumes anpassen mussten.

Links: Schnitt durch ein Blatt von Fenestraria aurantiaca. Man kann gut erkennen, dass die ganze Struktur lichtdurchlässig ist. Foto: W. Barthlott
Rechts: Schnitt durch ein Blatt von Fenestraria aurantiaca. Die nachfolgenden Blätter und Blattknospen sind gut zu erkennen. Sie wachsen durch das alte Blatt durch. Foto: W. Barthlott