Home | Übersicht | Kontakt | Impressum

Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Sammlungen

Pflanze des Monats Juni 2003

Die Kornrade

Die altrosafarbene Kornrade (Agrostemma githago) war zusammen mit der leuchtendblauen Kornblume und dem knallroten Klatschmohn eines der häufigsten Unkräuter unserer Getreidefelder noch während der 60er Jahre. Sie ereilte das gleiche Schicksal wie das der weit verbreiteten Pflanzen und Tiere: wie den Maikäfer kennt sie niemand mehr. Die Kornrade ist mittlerweile in Deutschland vom Aussterben bedroht und steht auf der "Roten Liste". Loki Schmidt, die mit dem Bonner Garten engstens verbunden ist, wählte sie zur "Blume des Jahres 2003".

Die Kornrade ist ursprünglich genauso wenig heimisch wie die Getreide: Sie kam mit Weizen, Roggen und Gerste aus dem östlichen Mittelmeerraum mit Beginn des Ackerbaus vor einigen tausend Jahren. Trotz der hübschen großen Blüten war die Pflanze nicht willkommen. Zum einen will man prinzipiell keine Fremdpflanzen in den Feldern, zum anderen ist die Kornrade tatsächlich giftig: kamen zu viele ihrer Samen in das Mehl, so konnte der Genuss üble Folgen haben.

Somit wurde ab den 50er Jahren immer mehr Wert darauf gelegt, das Getreide maschinell zu reinigen und von unerwünschten Begleitern zu "befreien". Dazu kam der Einsatz von Herbiziden und anderen Dingen - und nun steht die Kornrade nahezu vor dem Aus. Um diesen gefährdeten Acker-Unkräutern (Pardon: Acker-Wildkräutern) ein Überleben zu sichern, wurde von Prof. W. Schumacher in der Abteilung Geobotanik und Naturschutz am Bonner Institut für Landwirtschaftliche Botanik das "Ackerrandstreifen-Programm" ins Leben gerufen. Landwirte werden jetzt finanziell entschädigt, wenn sie die Randstreifen nur noch extensiv nutzen.

Im Nutzpflanzengarten am Katzenburgweg wurde eine Erhaltungskultur der Kornrade angelegt, daneben werden auch andere Begleitpflanzen wie Kornblume (Centaurea), Ackerrittersporn (Consolida) und einjähriges Adonisröschen (Adonis) kultiviert und vermehrt. Diese herrlichen und selten gewordenen Begleitpflanzen sind in größeren Beständen im Nutzpflanzengarten am Katzenburgweg und in den Botanischen Gärten am Poppelsdorfer Schloss zu sehen.


Übersichten