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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Die Ungeduldigen: „Fleißige Lieschen“, „Balsaminen“ und „Springkräuter“

Der lateinische Gattungsname (lat. impatiens = ungeduldig) geht auf die eigentümlichen Früchte zurück: Die kleinen, grünen, saftigen Kapseln explodieren bei Samenreife bei der geringsten Berührung und schleudern ihre Samen so manchmal meterweit.

Die Springkräuter (Impatiens, Balsaminaceae) gehören mit über 1000 bekannten (Arten) und einer unbekannten Zahl noch unentdeckter Arten zu den artenreichsten Gattungen der Blütenpflanzen.

In Europa ist allerdings nur eine Art heimisch – das „Rühr-mich-nicht-an“ (Impatiens noli-tangere). Allerdings sind inzwischen fünf weitere Arten aus Nordamerika und vor allem Asien eingeschleppt worden und haben sich zum Teil zu problematischen Unkräutern entwickelt. Insbesondere das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) aus dem Himalaya vermehrt sich rasant.

Als Zierpflanze bekannt ist vor allem das „Fleißige Lieschen“ (I. walleriana) aus Ostafrika, zunehmend werden aber auch die größeren und wüchsigeren sogenannten Neuguineahybriden (ausgehend von I. hawkeri) angeboten. Früher war dagegen die „Balsamine“ (I. balsaminea) aus Südasien die wichtigste Zierpflanzen der Gattung, auf sie geht auch der Familienname „Balsaminaceae“ zurück.

Besonders viele Arten der Springkräuter finden sich im tropischen Afrika (110 Arten) und Madagaskar (230 Arten) sowie im Himalaya (120), in Südindien (150 Arten) und in Südostasien (250). In Australien und Südamerika fehlt die Gattung dagegen natürlicherweise.

Springkräuter sind einjährige oder mehrjährige Kräuter mit weichen, saftigen Stängeln und ungeteilten, häufig gezähnten oder gelappten Blättern. Die eigentliche Vielfalt bei diesen Pflanzen findet sich in den komplex aufgebauten Blüten. Vier Blütenformen wurden beschrieben, die sich in Form und Farbe der Blütenhülle (Kelch und Krone) und in der sehr unterschiedlichen Ausprägung des Nektarsporns, der aus dem Kelch gebildet wird, unterscheiden. Obwohl die Vielfalt der Blütenformen und –farben der Springkräuter schon lange bekannt ist, weiß man über deren Funktion noch immer sehr wenig.

Die Botanischen Gärten der Universität Bonn kultivieren über 100 Impatiens Arten (Stand November 2014). In wesentlichen Teilen geht unsere Sammlung auf Professor Dr. Eberhard Fischer (Universität Koblenz) zurück.

Wissenschaftler des Nees-Institutes für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn beforschen die Blütenbiologie von Impatiens in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Eberhard Fischer. Erste Vorergebnisse zeigen, dass die unterschiedlichen Blütenformen Anpassungen an unterschiedliche Bestäuber darstellen, wobei Fliegen, Bienen, Hummeln, Tagfalter, Nachtfalter, Nektarvögel und sogar Kolibris als Bestäuber aufzutreten scheinen.

Einige unserer tropischen Springkrautarten können Sie ganzjährig in den Gewächshäusern bewundern. Arten aus gemäßigten Gebieten befinden sich während des Sommerhalbjahrs im Freien.