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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Kultur

Früher hielt man Lotus für rein tropische Pflanzen und entsprechend wurden sie häufig nur im Warmhaus kultiviert. Wir konnten in unserer Publikation (Borsch und Barthlott 1994) zeigen, dass die Pflanze aus dem winterkalten China stammt. Es war auch schon lange bekannt, dass sie Winterkälte erträgt und in Oberitalien sogar eingebürgert ist. Somit ist es nicht überraschend, dass es uns in den Botanischen Gärten in Bonn gelang, seit 1991 Lotus ohne jede Heizung im Freien zu kultivieren und regelmäßig zur Blüte zu bringen.

Aktueller Bericht über die Kultur von Lotos in: Orlamünde, W. (2005): Lotosblumen erfolgreich kultivieren. 9-13. Gartenpraxis 6/2005. Ulmer Verlag

© W. Barthlott

Der Entdecker des Lotus-Effektes, Professor Dr. Wilhelm Barthlott
© W. Barthlott

Die Pflanzen brauchen einen vollsonnigen Standort: ein Wasserbecken (Größe möglichst nicht unter 1 Quadratmeter) mit einer Tiefe von mindestens 60 cm, damit die Wurzelstöcke im Winter nicht erfrieren. Der Wasserstand über der Erde sollte 10 bis 20 cm betragen.

Die Pflanzen benötigen am besten schwere Lehmerde mit mineralischem Dünger (zum Beispiel Langzeitdünger Osmocote). Sie vertragen keinen organischen Dünger. Gepflanzt werden Rhizomstücke Im Frühjahr etwa in der zweiten Aprilhälfte bis Ende Mai. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sind Lotus-Blumen sehr schnellwüchsig und blühen reichlich ab Juli. Nur in sehr kühlen Sommern können sich ausnahmsweise die Knospen einmal nicht entwickeln.

© W. Barthlott

Die Heilige Lotusblume, das Symbol der Reinheit im Buddhismus
© W. Barthlott

Die Pflanzen sind vollkommen winterhart und haben auch bei uns in der Bundesrepublik die letzten 12 Jahre problemlos überstanden. Ausschlaggebend für die Entwicklung sind allerdings ein warmer Sommer, der vollkommen sonnige Standort und eine gute Durchwärmung des Beckens. Letzteres ist z. B. nicht gegeben, wenn man Lotus entlang großer Teiche anpflanzt: hier bleiben die Wassertemperaturen zu kühl.

Umgekehrt kann man Lotus sehr gut in großen Kübeln kultivieren. Für eine detaillierte Kulturanweisung und gleichzeitig eine Bezugsquelle verweisen wir auf die Homepage www.nymphaion.de.

Wenn Sie einmal ganze Felder blühender Lotus-Blumen sehen wollen, brauchen Sie nur im Juni/Juli nach Oberitalien zu fahren. Schon in den großen Parks am Lago Maggiore (zum Beispiel Villa Tarantula), in schönster Ausbildung allerdings am Lago di Mantua in der Nähe von Mantua können Sie Riesenbestände dieser wunderbaren Pflanze bewundern. Ebenfalls über viele Hektar bestandsbildend ist sie am Wolgadelta, wo sie natürlicherweise vorkommt.

Im Winter verlieren die Pflanzen bei Freilandkultur ihre Blätter. Wenn sie in Kübeln kultiviert werden, sollten diese in einen frostfreien Raum gestellt werden, um ein Durchfrieren zu verhindern. Selbstverständlich kann man Lotus auch in geheizten Becken oder in Glashäusern kultivieren: das wichtigste ist aber immer direktes Sonnenlicht!


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