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Nees von Esenbeck

Die wissenschaftshistorisch weitaus bedeutendste Persönlichkeit der Bonner Botanik ist ihr Gründungsdirektor Prof. Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (1776 - 1858). Aus dem Odenwald stammend und noch zu Lebzeiten Carl von Linnés und Friedrich des Großen geboren, wurde Nees von Esenbeck 1818 zum Präsidenten der Leopoldina gewählt und noch im selben Jahr nach Bonn berufen: Der Sitz der uralten Akademie wanderte damit von bayrischem Staatsgebiet auf preußisches Hoheitsgebiet. Nees begann bereits im ersten Jahr mit ungeheuerer Energie die Bonner Botanik und den Botanischen Garten aufzubauen; seine umfangreichen persönlichen Beziehungen kamen ihm dabei zugute. Allein 126 Samenproben kamen aus Weimar als Geschenk des Geheimrates von Goethe, nachdem er auch Goethea cauliflora benannte. Die historische Bedeutung von Christian Gottfried Nees von Esenbeck liegt in einem ungeheuren wissenschaftlichen Lebenswerk als Arzt, Botaniker, Zoologe und Naturphilosoph sowie in seinem engagierten sozialpolitischen Wirken. Nees hat allein rund 7000 Pflanzenarten beschrieben (beinahe so viele wie Carl von Linné!) und umfangreichste Monographien im Gebiet der Botanik und Zoologie angefertigt. Er war vierzig Jahre lang Präsident der Leopoldina, die er in einer schweren Zeit wieder aufgebaut hat. Letztlich wegen seines sozialpolitischen Engagements (Revolution 1848, Arbeiterbewegung, Deutschkatholizismus) wurde er schließlich 1851 durch den preußischen König vom Dienst suspendiert. An den Bettelstab gebracht starb der Präsident der kaiserlichen Akademie 1858 in Breslau.

Seine Lebensspanne umfasst einen ungeheuren Zeitraum der Umwälzungen: Noch in der Lebenszeit von Carl von Linné und Friedrich dem Großen geboren, schrieb sich der junge Karl Marx in Bonn mit als erster in seine Vorlesungen ein und eine seiner letzten Amtshandlungen war die Aufnahme von Charles Darwin in die Leopoldina. In Bonn war seit 1819 bis 1837 auch der aus Leiden berufene jüngere Bruder Theodor Friedrich Ludwig Nees von Esenbeck (1787 - 1837) tätig. Heute entdeckt man sein Lebenswerk wieder: Seine Briefwechsel mit Goethe und einer Fülle bedeutender Zeitgenossen werden publiziert, die Leopoldina hat eine eigene Nees-Forschungsstelle eingerichtet, und selbst eine Homepage (www.nees-von-esenbeck.de) existiert. Bewusst greift der Name des neuen Institutes die Bonner botanische Tradition auf.