Home | Übersicht | Kontakt | Impressum

Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Bonn

Einleitung

Aus einem alten Renaissance-Garten hervorgegangen, nennt die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn einen der schönsten und traditionsreichsten Botanischen Gärten Deutschlands ihr eigen: eine bedeutende Sammlung, die über 8000 Pflanzenarten für Forschung und Lehre beherbergt. Unter dem Schlagwort der Biodiversität sind die Botanischen Gärten erneut in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gedrungen. Während man noch vor einem Jahrzehnt davon ausging, daß etwa 2 Millionen Tier- und Pflanzenarten unseren Planeten besiedeln, wissen wir heute, daß er vermutlich weit über 20 Millionen verschiedene Organismen beherbergt: weniger als eineinhalb Millionen Arten jedoch sind wissenschaftlich bekannt und katalogisiert. Täglich sterben infolge der durch den Menschen bedingten Änderungen unserer Umwelt viele Dutzende Arten aus: wir werden niemals mehr erfahren, welche Arten unsere Erde heute noch beherbergt und welche Ressourcen uns verloren gehen. Die Problematik der Erhaltung der Biodiversität ist zu einem politischen Schlagwort geworden. Allein der Botanische Garten Bonn beherbergt in Poppelsdorf auf einer Fläche von 6,5 Hektar das Vielfache der in Zentraleuropa natürlich vorkommenden Arten. Solche "Lebenden Museen" bilden neben den großen Herbarien die Grundlage für die Erforschung der Vielfalt höherer Pflanzen, die als wichtigste Primärproduzenten die ökologische Basis unserer menschlichen Existenz sind. Botanische Gärten stehen damit heute mehr denn je im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der traditionsreiche Bonner Botanische Garten war im vergangenen Jahrhundert ein Kristallisationspunkt systematischer Forschung und spielte eine bedeutende Rolle bei der Entdeckung von Tausenden von Pflanzenarten, vor allem in den Tropengebieten der Erde; viele Pflanzen der Regenwälder Afrikas und Südamerikas sind nach Poppelsdorfer Botanikern benannt.

Der Bonner Botanische Garten ist seit über 400 Jahren an Ort und Stelle verblieben und damit einer der ältesten Gärten der Welt. Daß dennoch keine zusammenfassende Geschichte dieses Garten existiert und sich die Stadt Bonn und ihre Universität dieser Tradition kaum bewußt sind, hat zwei wissenschaftshistorische Gründe. Die kunsthistorische und historische Literatur kennt zwar die glanzvolle Geschichte der Poppelsdorfer Renaissance- und Barockgärten bis zur Flucht des letzten Kurfürsten Maximilian Franz 1794, nimmt jedoch die Umwandlung in einen wissenschaftlichen Garten mit dem Gründungsjahr der Universität 1818 nur als letzten Mosaikstein in der Zerstörung der alten Anlagen zur Kenntnis (z.B. KALNEIN 1956): Die Geschichtsschreibung der Universität dagegen beginnt erst mit dem 18. Oktober 1818, und selbst die Frühzeit der wissenschaftlichen botanischen Forschung in Bonn wurde später diskreditiert. So schreibt anläßlich der Jahrhundertfeier der Universität der damalige Direktor der Botanischen Anstalten, Hans Fitting, daß in den ersten fünfzig Jahren "die Forschung in der Pflanzenkunde wenig ersprießlich ... war" unter den "einseitigen ... Anregungen, die namentlich Linné gegeben hatte" (FITTING 1919): eine Auffassung, die sich lange hielt (z.B. FITTING 1952). Mit dem folgenden Abriß wird erstmals die Geschichte der langen Tradition des Bonner Botanischen Gartens dargestellt.

Wilhelm Barthlott (1990): Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Bonn. - In: Heijo Klein: Bonn - Universität in der Stadt. - Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Band 48: 41-60.

Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Bonn