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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Bonn

Von der Gründung der Universität 1818 bis zum Ende des Jahrhunderts

Noch im Jahre 1813 war im Schloß Clemensruh ein preußisches Hilfslazarett untergebracht; der Park wird in der Rheinreise-Literatur als traurig und verödet beschrieben. Die verwüstete Anlage wurde von der Krongutsverwaltung der am 18. Oktober 1818 gegründeten "Preußischen Rhein-Universität" (ab 1828 "Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität") übergeben. Mit zwei glücklichen personellen Entscheidungen - dem Professor C.G. Nees von Esenbeck und dem Inspektor W. Sinning - beginnt noch im Winter 1818/19 in einem atemberaubenden Tempo der Aufbau des modernen wissenschaftlichen Botanischen Gartens der Universität.

Am 18. März 1819 schreibt der Weimarer Staatskanzler Friedrich von Müller in sein Tagebuch: "Abends bei Goethe, wo ich Präsident von Esenbeck aus Bonn traf, einen kleinen, munteren und ansprechenden Mann, der von dem Dünkel der moderneren Naturforscher ganz frei zu sein scheint". Dieser Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (1776-1858) war der Kristallisations- und Ausgangspunkt der Frühgeschichte der Bonner Botanik. Aus dem Odenwald stammend, wurde er 1816 nach Erlangen berufen: Seine "Algen des süßen Wassers" (1814) und "Das System der Pilze und Schwämme" (1816) waren gerade erschienen, und noch im Berufungsjahr wurde er zum Mitglied der Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. Er galt wohl als guter Organisator: Bereits 1818 wurde er Präsident der Leopoldina und noch im gleichen Jahr erfolgte die Berufung nach Bonn. Dies war zweifellos ein kluger Schachzug des neuernannten preußischen Staatsministers Karl Freiherr Stein zum Altenstein: Nees war wissenschaftlich bestens ausgewiesen und zog als Präsident gleichzeitig die alte kaiserliche Akademie von Bayern auf preußisches Staatsgebiet.

Die ehrwürdige 1652 in Schweinfurth gegründete "Sacri Romani Imperii Academia Caesarea Leopoldino-Carolina Naturae Curiosum" wanderte (ähnlich wie das Reich mit dem Kaiser) mit der Person ihres Präsidenten, Erst 1878 wurde sie, und dort ist sie noch heute, in Halle/Saale als Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ansässig. Die Akademie war mit dem Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ihres Protektors beraubt und zunehmend verfallen: Historisch gesehen ist es vielleicht der größte Verdienst von Nees, daß er als herausragender Wissenschaftsorganisator (GRAU 1988) die Akademie zu einer neuen Blüte gebracht hat. Bonn war somit mit Poppelsdorf für 11 Jahre Sitz der kaiserlichen Akademie. Ihre Bibliothek und das Naturalienkabinet wurden im Schloß untergebracht.

Bereits im Wintersemester 1818/19 begannen die Planungsarbeiten für den neuen Garten, zusammen mit dem ebenfalls neuberufenen Inspektor Wilhelm Sinning (1792-1884), der im Verlauf seiner langen Dienstzeit (bis 1871: siehe folgende Seiten) bedeutenden Einfluß hatte. Erste Erdarbeiten wurden im Januar 1819 durchgeführt und noch im gleichen Jahr die unglaubliche Zahl von 6131 Samenproben von etwa 3000 Arten ausgesät. Allein aus der Hauptstadt Berlin kamen 1067 Proben, darunter die "neuesten Sämereien" von Professor Link und Inspektor Otto aus dem Königlich Botanischen Garten. Oder als Geschenk des "Geheimen Raths von Göthe" 126 Proben von der berühmten Brasilien-Reise des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied "worunter.... mehrere neue noch unbeschriebene Arten vorkommen". Die Liste ließe sich lange fortsetzen: Nees hatte exakt dokumentiert. Hinzu kommen Hunderte von lebenden Pflanzen, unter anderem große Exemplare aus dem kurfürstlichen Altbestand des Schlosses Brühl (z.B. Erdbeerbäume und Euphorbia canariensis); schließlich beinahe 300 Kakteen und andere Sukkulente aus der damals weltberühmten Sammlung des Fürsten Salm-Reifferscheid-Dyck.

Sinning begann im Juli 1819 mit dem Bau des ersten Gewächshauses, dessen Qualität an Ort und Stelle von dem königlichen Inspektor Otto aus Berlin geprüft wurde. Am Ende des ersten Jahres schätzte Nees den Totalbestand des Gartens auf knapp 4000 Arten: Nur ein Fachmann kann beurteilen, welch technische Aufbauleistung dies bedeutet.

Die Bonner Jahre von Nees waren auch wissenschaftlich äußerst produktiv: Bereits 1823 erschien seine berühmte Monographie der Kampfer- und Zimtbäume ("De Cinnamomo disputatio"), die nebenbei auch einen großformatigen kolorierten Plan des Gartens enthält; Gliederung und weitgehend sogar die Wegführung sind bis heute beinahe unverändert geblieben. Es darf mit großer Sicherheit vermutet werden, daß der systematischen Anordnung der Pflanzen im Garten (dem sogenannten "System" an seinem heutigen Platze) die eigenwillige Klassifikation des Naturphilosophen Lorenz Oken zugrunde lag. Von den vielen Pflanzengattungen, die Nees beschrieb, seien nur wenige erwähnt: der tropische Riesenbambus Dendrocalamus, die Gattung Sinningia (Die altbekannte "Gloxinie" des Gartenbaus, benannt zu Ehren des Inspektors Sinning). Und schließlich, aus den brasilianischen Aufsammlungen des Prinzen Wied-Neuwied, das Malvengewächs Goethea, für dessen Benennung sich Goethe am 24. April 1823 brieflich bedankt (es gibt eine leider weitgehend unveröffentlichte Korrespondenz von etwa 150 Briefen zwischen Goethe und Nees, vgl. dazu auch SCHIFF 1930). Alle die genannten Pflanzen sind auch heute noch im Großen Regenwaldhaus des Gartens zu sehen.

Aus persönlichen Gründen - eine unglückliche Liebesverbindung - ließ sich C.G. Nees 1829, im Tausch mit dem dortigen Ordinarius L.C. Treviranus, nach Breslau versetzen. Dort entstanden neben zweifellos obskuren, naturphilosophisch-spekulativen Werken (auch bereits in Bonn 1820 "Entwicklungsgeschichte des magnetischen Schlafs und Traums"), bis heute grundlegende umfangreiche Monographien von Lauraceen, südafrikanischen Asteraceen und den europäischen und brasilianischen Lebermoosen. Die naturphilosophischen Werke haben später seine wissenschaftliche und wissenschaftsorganisatorische Gesamtleitung in Verruf gebracht: Es ist bestürzend zu lesen, wenn sein späterer Nachfolger H. Fitting (1919) seine Arbeiten als "dunklen spekulativen Tiefsinn, um nicht zu sagen Unsinn" disqualifiziert.

Traurig sind die letzten Lebensjahre von Nees: sozialpolitisch stark engagiert, geriet er nach 1848 in Konflikt mit Staat und Kirche (noch als 72jähriger hielt er eine flammende Rede vor der preußischen konstituierenden Nationalversammlung gegen die Unterdrückung der schlesischen Weber) und wurde 1851 ohne Gewährung eines Ruhegehaltes seines Amtes enthoben. An den Bettelstab gebracht, starb der Präsident der kaiserlichen Akademie 1858 in Breslau, Tausende von Arbeitern folgten seinem Sarge.

In Bonn wurden nach dem Weggang von C.G. Nees 1829 seine Arbeiten von seinem bereits 1819 aus Leiden berufenen jüngeren Bruder Theodor Friedrich Ludwig Nees von Esenbeck (1787-1837) als "Repetent der Botanik" fortgeführt. T.F. Nees vertrat gleichzeitig das Fach Pharmazie, seit 1822 als außerordentlicher und ab 1827 als ordentlicher Professor. In der Amtszeit des am Garten interessierten L.C. Treviranus (siehe folgender Abschnitt) wurde er 1833 stellvertretender Direktor, und 1836 bis zu seinem Tode 1837 gleichberechtigter Mit-Direktor des Botanischen Gartens. T.F. Nees ist sicherlich weniger bedeutend, hat aber zahlreiche wichtige Abhandlungen aus ähnlichen Arbeitsgebieten wie sein Bruder publiziert. Zu erwähnen sind hier zusammen mit W. Sinning "Abbildungen schönblühender Gewächse", die in Düsseldorf zwischen 1825 und 1831 in Lieferungen erschienen und in prächtig kolorierten Lithographien ausschließlich Pflanzen aus dem Bonner Botanischen Garten darstellen, der damit, nach den königlichen Botanischen Gärten von Kew bei London und Berlin, vielleicht zu den am besten dokumentierten Gärten seiner Zeit gehört.

Ludolph Christian Treviranus (1779-1864), im Tausch mit C.G. Nees 1830 aus Breslau berufen, hatte während seiner dreißigjährigen Dienstzeit als Direktor bis 1859 kaum Einfluß auf die Gestaltung des Gartens. Bereits in Breslau war er mit seinem Institut in Streit geraten, und in Bonn zog er sich schon 1835 wegen anhaltender Zwistigkeiten mit dem Gartenpersonal grollend aus der Verwaltung zurück: der jüngere Nees hatte dort die Co-Direktion übernommen.

Als Nachfolger von T.F. Nees wurde Anfang 1839 Theodor Vogel (1812-1841) aus Berlin berufen. Er hatte sich vorwiegend mit tropischen Leguminosen beschäftigt und erarbeitete in Bonn die Grundlagen für den später von P. Wirtgen publizierten "Prodomus der Flora der Preußischen Rheinlande" (Bonn 1842). Vogel kam in Kontakt mit der britischen "African Civilization Society", erwirkte eine Beur laubung für zwei Jahre und reiste im Dezember 1840 nach Westafrika ab. Genau ein Jahr später starb der Co-Direktor des Botanischen Gartens Bonn auf der Insel Fernando Pó vor der Küste von Kamerun. In diesem Expeditionsjahr hat T. Vogel grundlegende Arbeit für die botanische Erforschung Westafrikas geleistet. Aus seinen nachgelassenen Tagebüchern und Herbarien gab Sir J.D. Hooker, Direktor der Royal Botanic Gardens von Kew bei London, die "Niger Flora" (London 1849) heraus. Der Reisende im tropischen Afrika wird durch zahlreiche Pflanzennamen an diesen Botaniker erinnert: mit Napoleonea vogelii blüht noch heute eines der prächtigsten afrikanischen Regenwaldgehölze im Regenwaldhaus des Bonner Botanischen Gartens.

Die wissenschaftliche Betreuung des Gartens unter Treviranus wird somit nach kurzer Zeit wieder verwaist. Kurzfristig wurden Herbar und Garten ab 1849 von dem jungen Privatdozenten Dietrich Brandis (1824-1907) verwaltet: er sollte aber bald in englische Dienste gehen und Sir Dietrich Brandis wurde als Generalinspekteur der Indischen Forstbehörden einer der berühmtesten Forstbotaniker seiner Zeit. Robert Caspary (1818-1887), 1857 dem 77jährigen Treviranus als Adjunkt am Botanischen Garten zur Seite gestellt, ging bereits 1859 als Ordinarius nach Königsberg. Nach dem Tode von Treviranus wurde 1860 Herrmann Schacht (1814-1864) berufen, der in seiner kurzen Amtszeit als Direktor ohne Einfluß auf den Garten blieb.

Der wirkliche Leiter und die treibende Kraft für die Weiterentwicklung des "Königlich preußischen Botanischen Gartens" war der hochgebildete Inspektor Wilhelm Sinning (1792-1884), der dieses Amt von 1818 bis 1871 innehatte. Während die Pflanzenbestände für 1819 auf 4500 und für 1821 auf knapp 6000 Arten geschätzt wurden, gab Sinning für 1839 etwa 10.000 Arten an. Heute wissen wir zwar, daß alle diese Schätzungen etwa um die Hälfte reduziert werden müssen (viele der "Arten" waren nur Varietäten einer Spezies), dennoch spiegeln diese Zahlen eindrucksvoll die Entwicklung der Sammlung wider. In neuester Technik und Mode, nämlich im Stile des gerade in London durch J. Paxton im Bau befindlichen Kristallpalastes, entstand unter Sinning 1849-1851 der erste Teil des großen Gewächshauskomplexes, der (mit den Ergänzungen durch Hanstein: siehe unten) bis 1923 in Betrieb blieb. Schließlich stellte er 1837-1839 den aus Göttingen kommenden jungen Gehilfen Eduard Regel (1815-1892) ein, der eine glänzende Karriere machen sollte: In Poppelsdorf ausgebildet, ging er zunächst als Gärtner nach Berlin, dann wurde er in Zürich promoviert und habilitiert und 1855 als Direktor des kaiserlichen Botanischen Gartens und Herbariums nach St. Petersburg berufen. Geadelt als Eduard von Regel, hat er umfangreiche, bis heute wichtige Arbeiten publiziert und die wissenschaftliche Botanik in Rußland aufgebaut. Als Ergebnis der Poppelsdorfer Jahre sei nur an die mit J.J. Schmitz 1841 publizierte "Flora Bonnensis" erinnert, die grundlegende Flora von Bonn.

Mit Johannes von Hanstein (1822-1880), aus Berlin 1865 berufen, begann der bedeutendste Abschnitt der wissenschaftlichen Bonner Botanik seit dem älteren Nees. Hanstein, der bedeutende Anatom und Pionier der Entwicklungsmorphologie, war von seiner Ausbildung Systematiker. In Berlin hatte er als Kustos des Botanischen Museums die Familie der Gesneriaceen für die "Flora Brasiliensis" von Martius bearbeitet, in Bonn erschien 1867 seine "Übersicht des natürlichen Pflanzensystems". Erst durch seine berühmten entwicklungsgeschichtlichen Arbeiten zum Aufbau der Vegetationskegel wurde eine Differenzierung der Phanerogamen gegenüber den hochentwikelten Kryptogamen möglich.

Zusammen mit dem aus einer alten Berliner hugenottischen Gärtnerfamilie stammenden Julius Bouché (1846-1922), als Nachfolger Sinnings Inspektor von 1871-1888, erweiterte er 1872 das Gartengelände erheblich in Richtung zum Venusberg hin (also die heutige Koniferen-Abteilung: vorher war der Schloßweiher die Gartengrenze gewesen). Mit dem erfahrenen Techniker Bouché (in Bonn erschien 1886 dessen Handbuch über "Bau und Einrichtung der Gewächshäuser") erweiterte er den Sinning schen Gewächshauskomplex und baute zunächst 1873 das große Regenwaldhaus mit einer Firsthöhe von 19 Metern. Allerdings galt gerade diese prachtvolle, historische, verschnörkelte Eisen-Glas-Konstruktion für die Kultur der Pflanzen bereits bei Fertigstellung als hoffnungslos mißglückt. Hinzu kamen 1878-80 noch zwei Vermehrungs- und zwei Warmhäuser für Orchideen sowie 1878 ein kreisrundes Victoria-regia-Haus mit 75 qm Fläche für die Kultur der gerade in Mode gekommenen Riesen-Seerose vom Amazonas. Die totale Nutzfläche der Gewächshäuser betrug damit rund 1100 qm. Basierend auf der Gliederung von Alexander Braun modernisierte er die Systematische Abteilung im Freiland.

Schließlich baut er 1878 das Inspektorenhaus (oder "Gärtnerhaus") in der Meckenheimer Allee 170, das nach der Zerstörung des Schlosses 1945 das Institut beherbergt und noch heute der Sitz des Gartendirektors ist.

Hanstein gelang es erstmals, ein planmäßiges Extraordinariat, verbunden mit einer nunmehr sogenannten "Kustodenstelle", an seinem Institut zu etablieren. Erster dieser Kustoden war Wilhelm Pfeffer (1874-77), es folgten Hermann Vöchting (1877-78) und Friedrich Schmitz (1878-84). Johannes von Hanstein starb hochgeachtet als Rektor der Bonner Universität im Jahre 1880, das Denkmal im Garten und die Pflanzengattung Hansteinia erinnern an seine Verdienste.

Es sei an dieser Stelle erlaubt, kurz auf die Entstehung der Landwirtschaftlichen Botanik zu verweisen, die nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Gartens blieb. C.G. Nees hatte als erster bereits 1819 dem preußischen Minister Stein zu Altenstein (die Orchideengattung Altensteinia erinnert an ihn) empfohlen, ein wissenschaftliches Institut für Landwirtschaft in Bonn einzurichten. Erst 1847 konnte unter Stein's Nachfolger J. von Eichhorn (sein botanisches Denkmal ist die tropische Wasserhyazinthe Eichhornia) auf einem von der Universität gepachteten Gelände die "Königliche höhere landwirtschaftliche Lehranstalt Bonn-Poppelsdorf" eröffnet werden. Vom Gründungsjahr bis 1857 wurde der Botanik-Unterricht von dem bereits erwähnten und zum Honorardozenten ernannten Garteninspektor Wilhelm Sinning übernommen. Ordinarius von 1861-67 war der bedeutende Physiologie Julius von Sachs. Sein Nachfolger Friedrich August Körnicke (1867-1898) hatte zusammen mit Hanstein in Berlin studiert und war dann längere Zeit als Mitarbeiter des bereits erwähnten Eduard von Regel in St. Petersburg tätig. F.A. Koernicke hatte sich vor allem mit der Systematik von einkeimblättrigen Pflanzen (Eriocaulaceen, Marantaceen, Getreide) beschäftigt. Sein Sohn und von 1908-1939 sein Nachfolger Max Körnicke hat auf zahlreichen Forschungsreisen von allem nach Südostasien wertvolles Material (u.a. Amorphophallus titanum) gesammelt und dem Garten zur Verfügung gestellt. Die ehemalige Landwirtschaftliche Akademie und Hochschule ist erst seit 1934 als "Land wirtschaftliche Fakultät" in die Universität eingegliedert und unterhält einen eigenen Landwirtschaftlich-Botanischen Garten (Übersicht bei FRANKE & HOFFMANN 1986).

Eduard Strasburger (1844-1912) wurde als Nachfolger Hansteins 1880 aus Jena berufen und war bis zu seinem Tode 1912 Direktor der Botanischen Anstalten. Es ist hier nicht der Ort, die Verdienste dieser bedeutenden Forscherpersönlichkeit zu würdigen; noch heute kennt jeder Student sein mit drei Bonner Kollegen 1894 begründetes "Lehrbuch der Botanik für Hochschulen". Er zog auch den Deutsch-Elsässer A.W.F. Schimper als Kustos von 1883-1899 an das Institut, dessen bedeutende "Pflanzengeographie auf physiologischer Grundlage" noch 1898 vor seiner Berufung nach Basel erschien. Zu seinem Bedauern konnte Strasburger infolge fehlender Finanzmittel (vgl. dazu FITTING 1933) den Garten durch Neubauten kaum weiterentwickeln. Allerdings erweiterte er nochmals die Fläche, indem er Anfang der Achtzigerjahre die beiden von alten Stichen wohlbekannten Weiherarme an der Nordost- und Nordwestseite des Gartengeländes zuschütten ließ. Hinzu kam eine gänzliche Umgestaltung des "Systems", nunmehr basierend auf der Klassifikation von A. W. Eichler (Berlin). Als Nachfolger Bouchés wurde der geschätzte Braunschweiger Dendrologe Ludwig Beissner von 1887 bis 1913 Garteninspektor. Er legte um 1890 durch Neupflanzung die Grundlage für weite Teile des heutigen Altbestandes an Bäumen im Garten; sein "Handbuch der Nadelholzkunde" (1891) und "Handbuch der Laubholzkunde" (1903) galten lange als führend.

Wilhelm Barthlott (1990): Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Bonn. - In: Heijo Klein: Bonn - Universität in der Stadt. - Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Band 48: 41-60.

Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Bonn