Der Index Seminum
Wie kommen Botanische Gärten zu ihren Pflanzen?

Samenverzeichnisse der Botanischen Gärten Bonn
Botanische Gärten besitzen eine große Vielfalt an Pflanzen aus den verschiedensten Vegetationszonen unserer Erde. Viele dieser Pflanzen werden für wissenschaftliche Arbeiten gebraucht. Die meisten davon sind Wildpflanzen, die nicht über kommerziellen Samenhandel verfügbar sind. Deshalb mussten Gärtner und Wissenschaftler in früherer Zeit häufig selbst zur Samenernte in ferne Länder reisen. Diese Sammelreisen waren sehr kostspielig, zum Teil auch abenteuerlich. Heute sind solche Reisen nur noch eingeschränkt möglich. Es hat sich zwar das Reisen sehr vereinfacht, aber durch verschiedene internationale Abkommen kann man nicht mehr einfach „herumreisen“ und Samen und Pflanzen sammeln. Dies unterliegt heute oft strengen Auflagen (z.B. Konvention über Biologische Vielfalt (CBD) und Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA).
Aller Anfang ist schön – was in Blütenzauber endet, beginnt mit einem wunderschönen Samen. Diese Schönheit zu zeigen, ist das Ziel eines gemeinschaftlichen Projekts der Künstlerin und Natur-Illustratorin Janet Mary Robinson und der Familie Jelitto. (Zur Galerie)
Jährlich wird ein Samenkatalog erstellt
Um an diesem Samentausch teilzunehmen, erstellen wir jedes Jahr einen Samenkatalog – den Index Seminum. Diese Samentauschliste umfasst im Durchschnitt 1.100 Samenportionen und wird von uns weltweit über 700 Botanischen Gärten angeboten. Gesammelt werden Samen aus dem Freiland und den Gewächshäusern, insbesondere aber auch Samen, die in der Natur von nicht-geschützten Arten gesammelt werden und nicht aus Schutzgebieten stammen.

In einem Drittmittel-Projekt wurde von uns 2002 ein Fragebogen an die Botanischen Gärten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zum Thema „Samentausch“ verschickt. Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden veröffentlicht:
Krebs, B., M. von den Driesch, F. Klingenstein & W. Lobin (2003): Samentausch von Botanischen Gärten in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz und Luxemburg. – Gärtnerisch Botanischer Brief 151: 10-17. (Downlad als pdf, 1,4 MB)

Die Samen werden gereinigt.
Ohne den internationalen Samentausch könnten die Botanischen Gärten nur schwer ihren Verpflichtungen, Pflanzen für Forschung und Lehre zur Verfügung zu stellen, nachkommen.
Bevor ein Katalog erstellt werden kann, müssen die Samen geerntet, getrocknet und gereinigt werden. Um hohe Keimraten zu gewährleisten, lagern die Samen in einer Kühlkammer bei Temperaturen von +4°C und einer Luftfeuchte von maximal 35%.
Unser ältester erhaltener Index Seminum stammt aus dem Jahr 1831. Er liegt in der Bibliothek des Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem. Wir sind aber sicher, dass bereits kurz nach der Gründung des Botanischen Gartens 1818 Samentauschlisten erstellt wurden. Der weltweit älteste Katalog stammt aus dem Jahre 1591 aus dem Botanischen Garten Padua.
Internationaler Austausch
Abzugsanlage
Um den für die Botanischen Gärten so wichtigen internationalen Samentausch auch unter veränderten politischen Gegebenheiten (CBD) aufrecht zu erhalten, haben die Botanischen Gärten der Europäischen Union, unter Führung der Botanischen Gärten Bonn, das sogenannte Internationale Pflanzenaustausch System (IPEN) entwickelt.
Dieses System regelt den Austausch zwischen Botanischen Gärten, daher ist eine Abgabe von Samen an Privatpersonen heute nicht mehr möglich. Eine Abgabe an kommerziell arbeitende Betriebe und Einrichtungen ist mit einem speziellen CBD-Dokument möglich.
Eine vergleichende Übersicht über die erhaltenen und versandten Samenportionen kann als pdf-Datei heruntergeladen werden.



